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 INTERVIEW MIT APHRODITE JONES

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wendy
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BeitragThema: INTERVIEW MIT APHRODITE JONES   So 19 Sep 2010 - 20:30

Veröffentlicht: 26.06.2010 11:55


Interview mit Aphrodite Jones

"Ein böser Michael Jackson verkauft sich besser"


Die Journalistin Aphrodite Jones glaubt an eine mediale Verschwörung gegen den "King of Pop". An deren Ende stand Jacksons Tod vor einem Jahr, sagt sie im Interview.


ZEIT ONLINE: Mrs. Jones, nach Michael Jacksons Freispruch im Jahr 2005 begannen Sie damit, die Berichterstattung über den Prozess kritisch zu beurteilen. Was hat Sie dazu gebracht?

Aphrodite Jones: Ich habe als Gerichtsreporterin den Prozess begleitet. Nach der Urteilsverkündung musste ich mich fragen: Wie konnte eine Jury erkennen, was alle Medienvertreter nicht gesehen hatten? Während ihn die Presse förmlich schon ins Gefängnis hineingeschrieben hatte, waren die Jurymitglieder von seiner Unschuld überzeugt. Deshalb ging ich am nächsten Tag zurück zum Gericht und schaute mir die komplette Beweislage noch einmal an.
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ZEIT ONLINE: Was war der Dreh- und Angelpunkt?

Jones: Das Interview des Klägers Gavin Arvizo. Als er behauptete, er wäre missbraucht worden, wurde mir beim genauen Ansehen klar, dass dieses Kind gelogen hat. Diesen Eindruck hatten auch die Jurymitglieder. Die Polizei hat das Kind gezielt durch tendenziöse Bemerkungen gecoacht und es so dazu gebracht, die Dinge zu sagen, die Staatsanwalt Tom Sneddon hören wollte.

ZEIT ONLINE: Sie haben über den Prozessverlauf und Ihre eigenen Erlebnisse das Buch Conspiracy (Verschwörung) geschrieben. Wieso dieser Titel?

Jones: Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens wissen viele Leute nicht, dass der Staatsanwalt Michael Jackson unbedingt schuldig sehen wollte, egal für welches Delikt. Deshalb konfrontierte er ihn nicht nur mit dem Vorwurf der Kindesmisshandlung, sondern ebenfalls mit einer Anklage wegen Abgabe von Alkohol an Minderjährige und Verschwörung. Man warf ihm vor, den Krebskranken Gavin Arvizo und seine Familie auf Neverland gegen ihren Willen festgehalten zu haben. Verschwörung ist in den USA ein schwerwiegendes Verbrechen. Zuerst gab es zehn Anklagepunkte gegen Michael Jackson, später wurden sie auf vierzehn aufgestockt, in der Hoffnung, dass wenigstens eine Sache greift.

ZEIT ONLINE: Und der zweite Grund?

Jones: Hinter den Kulissen wurden Informationen verbreitet, um in den Medien das Klima zu schaffen, Michael Jackson wäre von hinterlistig böser Natur und somit schuldig. Und wie Sie wissen, funktionierte es. Dieser Schatten des Bösen verfolgte ihn bis zum Ende seines Lebens. Ich finde das sehr traurig, denn während ich den Prozess jeden Tag mitverfolgte, bemerkte ich, dass dieser Mann gerade das Gegenteil davon war.

ZEIT ONLINE: Es gingen Filmaufnahmen um die Welt, die einen Michael Jackson zeigten, der in Handschellen abgeführt wurde…

Jones: Ja, aber er hatte sich zuvor selbst der Polizei gestellt. Es gab also überhaupt keinen Grund, ihm Handschellen anzulegen. Das war auch bloß eine Show für die Öffentlichkeit, mit der die Anklage sagen wollte: Seht her, dieser Mann ist ein Krimineller! Für den Fortgang des rechtlichen Verfahrens war diese Aktion unnötig.

ZEIT ONLINE: Warum wurde ein solch negatives Bild des "King of Pop" geschaffen?

Jones: Weil es Werbezeiten im Fernsehen besser verkauft. Es verkauft Bücher und Filme. Es verkaufen sich damit all die Sachen, die die Medien an den Mann bringen wollen. Viele Medienvertreter wollten Michael Jackson hinter Gitter sehen, weil sie die Reportagen über zu beobachtende Selbstmordversuche, Familien- und Fanbesuche für eine tägliche skandalträchtige und auflagensteigernde Berichterstattung schon in den Schubladen hatten. Es ging dabei um sehr viel Geld.

ZEIT ONLINE: Sie haben viele sogenannte Sensationsprozesse verfolgt. Welche Lehre haben Sie aus dem Fall Michael Jackson gezogen?

Jones: Die Medien haben sich im Laufe der Zeit von einer informierenden und unterhaltenden Plattform in eine rein profitorientierte Organisation gewandelt. Das bedeutet, es geht alles nur noch um Zuschauerquoten. Und Quoten werden eben erreicht durch einen eher bösartigen Geist, durch Themen unter der Gürtellinie. Deshalb werden solche Geschichten kreiert und bevorzugt. Vor diesem Hintergrund bekommen wir eine Ahnung, warum wir in den Nachrichten andauernd vorgeführt bekommen, dass die Welt auseinander bricht und die Leute sich gegenseitig umbringen. Darauf fokussieren sich die Medien.

ZEIT ONLINE: Fordern Sie vom Zuschauer mehr Selbstverantwortung?

Jones: Der Zuschauer sollte versuchen, sich einen Weg durch die vielen Versionen der Medien zu bahnen. Jeder muss selbstständig zwischen all den Nachrichten nach der Wahrheit suchen und nicht einfach wie ein Evangelium akzeptieren, was in Mainstream-Medien präsentiert wird. Denn Teile der Medien sind deformiert. Wer die Möglichkeit der freien Informationsrecherche hat, muss diese auch wahrnehmen.

ZEIT ONLINE: War der Medienstar Jackson zu leichtgläubig?

Jones: Wie mittlerweile bewiesen ist, hat die Familie von Gavin Arvizo Michael Jackson hereingelegt. Sie sind Gauner und Schmarotzer, die es schon in den Jahren zuvor auf Prominente abgesehen und bereits vorher andere des sexuellen Missbrauchs bezichtigt hatten. Und als sie Michael Jackson trafen, hatten sie die beste Zielscheibe der Welt. Sie hatten jemanden, der Mitleid mit Kindern hatte, der immer den Drang verspürte, Kindern zu helfen und andere zur Mithilfe aufzufordern. Alles wurde ihm herumgedreht, und er zahlte einen extrem hohen Preis für diese Hilfsbereitschaft. Ich denke, dass er sich nie mehr von diesem Prozess erholt hat.

ZEIT ONLINE: War der Prozess der Anfang seines tragischen Endes?

Jones: Ich denke, das war sein Sargnagel. Während des Prozesses verschlechterte sich sein körperlicher Zustand kontinuierlich. Als der Prozess vorüber war, ging er nach Bahrain und Irland und wohnte immer beim "Freund eines Freundes". Sein Anwalt Tom Mesereau riet ihm, Santa Barbara und Neverland zu verlassen und niemals zurückzukommen. Für eine Person wie Michael Jackson, der sich in der Öffentlichkeit nie frei bewegen konnte, war das jedoch eine Katastrophe. Er verlor damit seine Heimat, sein Land und besaß keinen Zufluchtsort mehr. Da bleibt einem Menschen nur wenig Lebensmut, wenn er feststellen muss, dass er nach allem, was er gegeben hat, nicht einmal eine Heimat hat.

ZEIT ONLINE: Sie sind seit vielen Jahren Bestsellerautorin und haben in den USA trotzdem keinen Verleger für Ihr Buch gefunden. Deshalb haben Sie es im Selbstverlag drucken lassen.

Jones: Mein Buch ist nun in erster Auflage ausverkauft, jetzt wird nachgedruckt. Ich habe mich dazu entschlossen, es wieder selbst herauszugeben, weil ich denke, dass die Verleger abwarten, was bei diesem Gerichtsprozess gegen Dr. Conrad Murray passieren wird. Bücher mit Sensationsgeschichten, wie früher über Michael Jackson, verkaufen sich momentan besser. Vielleicht liege ich falsch, aber ich denke nicht, dass die Publizisten glauben, mit positiven Geschichten Geld machen zu können.

ZEIT ONLINE: Vor einem Jahr starb der "King of Pop". Was hat sich seither verändert?

Jones: Michael Jacksons Musik wird überall wieder gespielt. Die Leute erkennen sein Genie, sein Talent, und sie vermissen es. Plötzlich ist die Anerkennung allem gegenüber, was er uns gegeben hat, zurückgekehrt. Gleichzeitig wollen die Medien typischerweise beide Seiten bedienen und von allen Teilen des Kuchens ein Stück abbekommen. Zum einen berichten sie nun positive Dinge, zitieren Stars, die seine Freunde waren und nur Gutes über ihn sagen. Aber ebenso finden sie jede Kleinigkeit und jedes Problem in seinem Leben und schlachten es weiterhin aus. Tatsache ist: Michael Jackson versuchte mit This is it wieder auf die Bühne zurückkehren. Sein tragischer Tod hat das vereitelt.

Quelle: ZEIT-Online (Rubrik: Musik) / MJackson.NET
Bildquelle: ZEIT-Online
Foto: © Carlo Allegri/Getty Images / © © privat


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