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 INTERVIEW PANORAMA

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wendy
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BeitragThema: INTERVIEW PANORAMA   So 19 Sep 2010 - 14:50

12. April 2010



"Alle starren dich an"


Michael Jackson hasste Interviews. 1983, als er mit dem Album "Thriller" den Höhepunkt seines weltweiten Ruhms ansteuerte, überwand er seine medienscheu und empfing die Journalistin Sylvie Simmons bei den Dreharbeiten seines Video-Clips "Beat It" in Los Angeles. Wir dokumentieren das Interview, das erstmalig in der US-Musikzeitschrift "Creem" erschien, in einer gekürzten Fassung. Simmons schreibt, Jackson sei auf schmerzhafte Weise schüchtern gewesen. Während des Interviews hätte er ständig auf seine Hände, seine Schuhe oder seine Schwester La Toya gestarrt, die auch im Raum war. Nur um der Journalistin nicht in die Augen sehen zu müssen.


Mr. Jackson, Sie sind jetzt 24, geht es Ihnen nicht auf die Nerven, von der Presse immer noch als Kind bezeichnet zu werden?

Das ist mir egal. Mal fühle ich mich wie Peter Pan, mal wie Methusalem und immer wieder wie ein Kind. Ich liebe Kinder so sehr. Ich danke Gott dafür, dass es Kinder gibt. Sie retten mich jedes Mal.


Reden wir über Ihre Kindheit, als Sie mit Ihren Geschwistern als Jackson Five Weltruhm erlangten. Welche Musik hat Sie damals beeinflusst?

James Brown, Ray Charles, Jackie Wilson, Chuck Berry und Little Richard - sie alle hatten natürlich auch auf viele andere Musiker einen großen Einfluss. Sie waren Pioniere, die den Rock`n´Roll zum Laufen gebracht hatten. Ich mag es, zu den Ursprüngen eines Sounds zurückzugehen. Denn wenn eine Musikrichtung erstmal Erfolg hat, verändert sie sich. Mich interessiert vor allem, wie sie wirklich war, als alles anfing. In der Kunst geht es mir genauso. Ich liebe Kunst. Wann immer ich in Paris bin, stürme ich in den Louvre. Ich kann gar nicht genug davon bekommen. Ich gehe in all die großen Museen überall auf der Welt. Vielleicht liebe ich die Kunst auch zu sehr, denn am Ende kaufe ich dann all diese Werke, es ist als ob du süchtig wärst. Du siehst ein Bild, das dir gefällt und sagst: "Oh Gott, das muss ich haben."


Gab es früher noch andere musikalische Einflüsse?

Ja. Ich liebe auch klassische Musik. Ich erinnere mich noch, wie ich als kleiner Junge im Kindergarten war und "Peter und der Wolf" hörte. Ich höre mir das noch heute an. Großartig - wie auch Debussy und Mozart. Wissen Sie, meine Brüder und ich wurden von ganz unterschiedlichen Musikrichtungen beeinflusst, und aus all diesen Zutaten ist die Musik entstanden, die ich heute mache. Ich wäre sehr unglücklich, wenn ich nur eine bestimmten Musikrichtung folgen würde. Ich mag es nicht, wenn man meine Musik kategorisiert, mit einem Label versieht. Labels sind wie...Rassismus.

Wann sind Sie denn glücklich? Wenn Sie arbeiten?

Das ist der Grund, warum ich hier bin. Es ist wie bei Michelangelo oder Leonardo. Ihre Werke bewundern wir noch heute, lassen uns von ihnen inspirieren.

Das möchten Sie auch erreichen?

Ja. Ich möchte in Bewegung bleiben, immer weiter ziehen, Dinge ausprobieren, die man noch nicht gemacht hat.

Hat Ihr Glaube Sie beeinflusst?

Ich glaube an Gott. Wir alle machen das doch. Wir möchten gerne geradlinig sein, nicht verrückt werden und unser Leben nicht aus den Augen verlieren. Nun verdienen viele Entertainer viel Geld und verbringen dann ihr Leben nur noch damit, das Erreichen dieses Ziels zu feiern - mit Drogen und Alkohol. Bis sie sich irgendwann fragen: "Wer bin ich? Was ist nur passiert?" Zu dem Zeitpunkt haben sie sich aber meist schon selbst verloren, sind gebrochen.

Was machen Sie, damit Ihnen das nicht passiert?

Du musst aufpassen und sehr diszipliniert sein.

Sind Sie das?

Ich bin kein Engel, das weiß ich auch. Ich bin kein Mormone oder ein Mitglied der Osmonds oder irgendeiner anderen Gruppe, in der immer alles in Ordnung ist. Das kann manchmal sehr einfältig sein.

Was geht Ihnen denn durch den Kopf, wenn Sie lesen, Sie seien der Performer mit dem größten Sex-Appeal, und die Mädchen stehen Schlange an den Bühnenausgängen?

Ich würde nicht behaupten, dass ich sexy bin. Aber wenn man mich so sieht, bitte sehr.

Man wundert sich, dass jemand, der privat schüchtern und kindhaft ist, auf der Bühne eine derart animalische Präsenz hat.

Auf der Bühne lebe ich das wirklich. Dieses Sex-Ding ist etwas Spontanes. Es erschafft sich selbst.

Die sexy Posen, der Griff in den Schritt: Das üben Sie nicht vor dem Spiegel?

Nein. Wenn die Musik loslegt, kommt das aus mir heraus. Die Instrumente setzen mich in Bewegung, sie wirken durch mich hindurch, sie kontrollieren mich. Manchmal bin ich nicht zu bändigen. Es passiert einfach - bumm, bumm, bumm. Ich liebe das, wenn ich auf der Bühne stehe und der Rhythmus in mich eindringt.

Und wenn dann nach der letzten Zugabe Massen von Mädchen draußen auf Sie warten...

...dann versinke ich in meinen Sitz. Früher, zu Zeiten der Jackson Five, wusste ja jeder, wo wir wohnten. Unsere Adresse war in dem Prominenten-Führer "Map To The Stars´ Homes" verzeichnet. Da standen sie dann mit ihren Kameras und Schlafsäcken, sie sprangen über unseren Zaun, übernachteten in unserem Garten oder kamen einfach in unser Haus. Sie waren überall. Es war verrückt.

Hatten Sie keine Bodyguards?

Selbst mit 24-Stunden Rundumbewachung durch Security fanden die Fans immer eine Möglichkeit, bei uns einzudringen. Ich erinnere mich, wie mein Bruder eines Morgens aufwachte – und da stand dann dieses Mädchen über seinem Bett. Was heißt Mädchen, es war eine 30-jährige Frau, die sagte, Jesus hätte sie geschickt. Sie wollten mit uns schlafen, mit uns zusammen sein. Meistens endete es damit, dass einer der Nachbarn sich erbarmte und sie bei sich übernachten ließ. Wir haben das nicht zugelassen, denn wir kannten diese Leute ja gar nicht.

Fühlen Sie sich manchmal einsam in dieser Parallelwelt?

Wir kennen sehr viele Menschen, weil wir eine sehr große Familie haben. Ich habe vielleicht zwei, drei wirklich gute Freunde. Ich kenn es nicht anders: Als ich in Gary, Indiana, aufwuchs, gingen wir dort zur Schule: Aber jeder in der Nachbarschaft kannte uns. Wir hatten jede Talent-Show gewonnen, in unserem Haus stapelten sich die Trophäen. Wir hatten schon immer genug Geld, konnten uns Sachen kaufen, die sich andere Kinder nicht leisten konnten.

Was zum Beispiel?

Noch mehr Süßigkeiten. Unsere Hosentaschen waren immer vollgestopft mit Süßigkeiten, und die verteilten wir. Das machte uns beliebt. Die meiste Zeit hatten wir allerdings Privatunterricht. Ich bin in meinem Leben nur einmal auf eine öffentliche Schule gegangen, aber es funktionierte nicht. Ich habe es danach noch mal versucht, aber es funktionierte nicht.

Warum nicht?

Einmal saß ich in der Klasse, als plötzlich zahlreiche Fans in den Klassenraum stürmten. Oder sie warteten vor dem Schulhof darauf Fotos von uns zu machen. Wir haben es an dieser Schule eine Woche ausgehalten. Länger haben wir es nicht geschafft. Dann kamen Privatschulen, auf die Kinder andere Stars gingen und wir uns nicht sorgen mussten, bedrängt zu werden.

Wird man nicht irgendwann klaustrophobisch, wenn man seine Kindheit und Jugend fast ausschließlich mit seinen Brüdern und Schwestern verbringt?

Nein. Und ich sage das jetzt nicht, weil ich höflich sein will. Gott sei Dank ist das nie passiert.

Nicht mal, als Sie mit den Jackson Five auf Tournee waren?

Nein. Wir waren immer sehr ausgelassen, wenn wir auf Tour gingen. Wir haben Spiele gespielt, herumgetollt, allen möglichen Unsinn angestellt. Das war vielleicht unsere Art von Eskapismus, um den Druck, dem wir ausgesetzt waren, zu verarbeiten. Jeder will ein Stück von dir. Du bist ständig unter Strom, die Telefone klingeln selbst in der Nacht, weil dich Fans sprechen wollen. Dann stopfst du das Telefon unter die Matratze, aber die Fans klopfen an die Hotelzimmertür. Du kannst nicht mal den Raum verlassen, ohne dass sie dir folgen. Du bist wie ein Goldfisch in einem Aquarium und alle starren dich an.

Wie halten Sie diesen Wahnsinn um Sie herum aus?

Indem ich Museen besuche, lerne und studiere. Sport mache ich nicht – das ist zu gefährlich. Es steht immer viel Geld auf dem Spiel, und wir können es nicht riskieren, dass ich mich verletze. Mein Bruder hat sich mal am Bein beim Basketballspielen verletzt – wir mussten ein Konzert absagen. Nur weil er eine Stunde lang Spaß haben wollte, wurden wir von allen Seiten mit Klagen eingedeckt und tausende Fans waren enttäuscht. Das ist es nicht wert. Ich bin in der Hinsicht sehr vorsichtig.

Verschließen Sie sich deshalb so vehement den Medien?

Weil ich Angst habe, dass man meine Äußerungen aus dem Zusammenhang reißt. Manche Journalisten sind so blöd, dass ich sie erwürgen möchte. Sie verdrehen mir das Wort im Munde. Sehen Sie, ich sorge mich um den Hunger in der Welt, vor allem unter Kindern, und ich möchte dagegen in der Zukunft etwas unternehmen. Ich sagte der Presse: Ich möchte einmal nach Indien gehen, zu den hungernden Kindern, um selbst einen Eindruck zu bekommen, unter welchen Umständen sie leben müssen. Und in der Presse las es sich das dann so: "Michael Jackson bekommt einen Kick, wenn er hungernde Kinder sieht da könnt ihr mal sehen, wie er wirklich ist." Manchmal könnte ich sie umbringen.

Übersetzung: Martin Scholz



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